Beyond Training Podcast Episode 1! präsentiert Brooke Thomas (Certified Rolfer, Liberated Body)

Ich LIEBE es, mit interessanten Menschen, die ihre ureigenen Wege beschreiten, spannende Gespräche zu führen. Und was gäbe es Besseres, als diese Gespräche HIER mit euch zu teilen?

WILLKOMMEN zur ersten Episode des Beyond Training Podcasts!

Für diese Premiere bin ich super dankbar für die Zusage von Brooke Thomas. Brooke und ich kennen uns noch aus meiner Zeit bei der European Rolfing Association, wo ich sie für einen Vortrag bei einer Rolfing-Konferenz gewinnen konnte. Seither verfolge ich ihre Arbeit mit viel Respekt und Interesse - und wenn ihr unserem Gespräch zuhört und mehr über sie erfahrt, wisst ihr warum. Sie ist zertifizierte Rolferin, MovNat- und Yoga TuneUp-Trainerin und eine der meistbelesensten, erfahrenen, neugierigen und reflektierten Körper- und Bewegunstherapeutinnen, die ich kenne!

Zum Einstieg in diese Podcast-Serie sprechen wir über eher grundsätzliche Themen: Wie geht man eigentlich vor, wenn man nach einem Weg zu Gesundheit und Besserung sucht; gibt es eigentlich Wunderheilungen?; Thema Sport, Job und Leistungsfähigkeit: der frappierend häufige Faktor, der Behandlungserfolgen oft im Weg steht; und wie man vielsitzende Schulkinder in Bewegung halten kann.

Enter Brooke.

(Deutsche Zusammenfassung und Links weiter unten!)

Zusammenfassung:

Ich stelle Brooke, unsere Gemeinsamkeiten, und ihr neuestes Baby vor: Das Portal Liberated Body. Ich verstehe es als eine Art Tor zu und Orientierungshilfe in der großen Welt von Methoden und Praktizierenden im Bereich der komplementären und alternativen Heilmethoden.

Brooke erklärt, dass die Idee zu dem Projekt gekommen ist, als sie auf verschiedenen Rolfing-Konferenzen vorgetragen hat und immer wieder die Frage bekam, warum eigentlich keiner all diese guten Methoden wahrnimmt. Sie wollte daher etwas schaffen, was der breiten Öffentlichkeit den Zugang zu dieser Welt vereinfacht.

Ich frage sie: Wie genau stellt man das denn an, wenn man jenseits von Arztbesuchen und konventionellen/Schulmedizinischen Methoden einen Weg zur Heilung/Gesundheit finden will? Gibt es einen systematischen Zugang?

Brooke glaubt nicht an eine Systematik sondern daran, dass Menschen überhaupt erstmal lernen müssen, was Ganzheitlichkeit eigentlich bedeutet. Dass es nicht notwendigerweise immer weiter abwärts gehen muss, wenn man erstmal ein bestimmtes Alter erreicht hat. Wie wichtig es ist, irgendwo anzufangen und dann auszuprobieren, was passt und was nicht. Und dass ihr Portal den Weg lediglich vielleicht ein wenig verkürzt, weil es dort einen Überblick über eine große Anzahl von Methoden gibt.

Ich bemerke, dass oftmals Ärzte ganzheitliche Methoden nicht unbedingt aus Skepsis übersehen, sondern weil sie oftmals gar nicht wissen, was eigentlich alles möglich ist. (Als Beispiel: Selbst bei einer einfachen Nebenhöhlenentzündung kann man z.B. mit Körperarbeit im Bereich der oberen Atemwege sehr viel lösen - Ärzte aber normalerweise abschwellende Sprays verschreiben). Brooke weist hin, dass Ärzte per se darauf trainiert sind, in separaten Teilen und Symptomen zu denken (und wir sind uns einig, dass das auch seinen Platz hat!). In ihrer Erfahrung werden Erfolge durch manuelle Behandlungen häufig als Zufall abgetan - sie wünscht sich mehr Ärzte, die solchen Erfolgen interessiert nachgehen.

Wir sprechen über "Wunder", also unerwartete Behandlungserfolge. Brooke erlebt diese immer wieder und sieht sie aber sehr praktisch: Sie weist auf all die unzähligen Prozesse im Körper hin, die prinzipiell immer das Potential für Behandlungserfolge haben. Ich stimme ihr zu und erzähle von meinen Reflektionen der letzten Monate - dass hinter "Wundern" im Grunde immer das Zentrale Nervensystem steht, als die sich selbst und die anderen Körpersysteme regulierende Instanz. Und dass wir bei allen wissenschaftlichen Erkenntnissen immer noch bei weitem nicht alles über die Funktionsweise des ZNS wissen. Dass es oft darum geht, auszuprobieren und zu experimentieren - auch wenn diese Suche manchmal frustrierend sein kann.

Brooke wirft ein, dass man in diesem Zusammenhang aufpassen muss, sich nicht in dem Wunder-Wunschdenken zu verlieren - im Sinne, dass man ja schon geheilt wäre, wenn man nur ein besserer Mensch, erleuchteter wäre und sich ein wenig mehr anstrengen würde. Sie meint, dass man die Offenheit für Behandlungserfolge immer ausbalancieren muss mit einem Annehmen der Realität.

Ich lenke unser Gespräch vom Bereich der Heilung zum Thema körperliche Leistungsverbesserung, sei es in einer bestimmten Sportart, oder in bestimmten Facetten wir Mobilität, Balance. Wir kommen sehr schnell auf eine interessante Beobachtung: Brooke erzählt, dass sie in der letzten Zeit wahnsinnig viele Menschen mit hormonellen Dysfunktionen (sie spricht von "adrenal/thyroid burnout" - d.h. eine Deregulierung/Dysfunktion von Schilddrüse und Nebennieren) in ihrer Praxis hat. Einerseits betrifft das übertrainierte Sportler, die einfach kontinuierlich über ihre Grenzen gehen, aber andererseits allgemein das Thema Burnout aufgrund des heutigen Lebensstils: Fehlende Erholung, unausgewogene Ernährung, zu viel Arbeit an Bildschirmen und damit Lichtverhältnisse, die den Biorhythmus durcheinanderwerfen, immer der Druck, etwas erreichen zu wollen. Sie sagt, dass diese Menschen mit dieser Art von hormoneller Deregulierung die Impulse von manuellen Behandlungen gar nicht in ihrem Körper halten können - sondern zunächst mal ihre Substanz wieder aufbauen müssten (mit Hilfe von z.B. naturheilkundlich arbeitenden Ärzten, Akupunktur etc.).

Ich füge hinzu, dass es diese Population von High-Achievern im Beruf gibt, die oben drauf auch noch wahnsinnig ehrgeizig sportlich aktiv sind, und wie hier die Gefahr dieses hormonellen Auslaugens extrem groß ist. Wir reflektieren, dass wir beide ebenfalls zu diesem "Doppelachieven" tendieren und Brooke sagt, dass sie ihr Wissen über diese Zusammenhänge, wie so häufig, aus ihren eigenen Erfahrungen gewonnen hat.

Wir sind uns aber auch einig, dass es wichtig ist, auch mal an die eigenen Grenzen zu gehen und zu spüren, zu was man in der Lage ist, und nicht immer nur auf achtsam und vorsichtig zu machen. Alles eine Frage der Dosis und des Ausgleichs.

Letztes Thema: Brooke hat wie ich einen achtjährigen Sohn in der 2. Klasse, und wir beschäftigen uns beide viel mit dem Thema Sitzen in der Schule. Ich frage sie, wie sie denn damit umgeht, dass ihr Sohn so viel stillsitzen muss. Sie erklärt, dass man aufgrund der Eigenheiten des US-Schulsystems nicht viel Möglichkeiten hat, etwas zu ändern, und dass sie als eher konflikt-vermeidender Mensch für sich entschieden hat, selbst einen Weg zu gestalten. Ein Teil davon: Sie geht mit ihrem Sohn jeden Tag vor der Schule und nach der Schule in den Wald - zum Spazieren, klettern, springen, laufen. Sie hat mit der Klassenlehrerin besprochen, dass ihr Sohn bei bestimmten Aufgaben auf dem Boden sitzen darf und dass es häufiger Trinkpausen zum Aufstehen gibt - und andere Kinder folgen ihm dann häufig. Außerdem wird sie wahrscheinlich im nächsten Schuljahr eine Bewegungs/MovNat-orientierte Stunde vor der Schule für eine ganze Gruppe von Kindern anbieten.

Ich erzähle von meinem für das zweite Halbjahr geplante Vorhaben: Mit der Klasse meines Sohnes eine Projektwoche gestalten, in der alle Stühle und Tische für eine Woche aus dem Klassenzimmer entfernt werden. Wie neugierig ich darauf bin, was die Kinder daraus machen werden. Wie dankbar ich bin, dass die Klassenlehrerin meinen Vorschlag mit Begeisterung aufgenommen hat. Dass das für mich einer dieser ersten kleinen Schritte ist, mit dem man solche neuen Themen unkompliziert anfangen und ausprobieren kann.

Ich danke Brooke für das Gespräch und wir vereinbaren, in einem Jahr ein Follow-up zu unseren Themen zu machen.

Ressourcen, Links:

Brookes Praxis: www.somahappy.com

Ihr "Baby" Liberated Body: www.liberatedbody.com

MovNat: www.movnat.com

Yoga TuneUp: www.yogatuneup.com

Seth Godin: www.sethgodin.com