Wofür trainieren wir eigentlich genau, wenn wir ins Fitnessstudio gehen? ODER: Wofür sportliche Aktivität EIGENTLICH gut ist.

Während ich in der letzten Zeit weiter an Konzepten, Exposés und allen möglichen Start-up-Aktivitäten feilte, hatte ich ein denkwürdiges Telefonat mit Rolfer und Berufsmusiker Klaus Liebetrau (www.rolfingandmusic.de), mit dem ich seit meiner Zeit im europäischen Rolfing-Verband befreundet bin (einen Podcast mit ihm, u.a. zum Thema Bewegung und musizieren, wird es auch dieses Jahr geben).

Wir sprachen über meine Arbeit, und ich erzählte Klaus, wie schwer es mir nach wie vor fällt, für einige meiner Ideen/Pläne/Inhalte die richtigen Worte zu finden.

Daraufhin Klaus, ganz trocken: "Naja, wenn ich es richtig verstehe, dann willst Du doch im Grunde zeigen, dass man auch ohne Sport fit sein kann."

Ich wurde still. Dachte nach. Vor meinem inneren Auge lief ein Film ab - all die vielen sportlichen Zeiten und Höhepunkte in meinem Leben. Ich spürte, wie viel Spaß ich an Sport hatte und immer noch habe, wie gut es tut sich auszupowern, sich herauszufordern, die eigene Kraft zu spüren immer wieder etwas Neues zu lernen; und diese Freude auch noch mit anderen teilen zu können.

Ich hatte aber auch erfahren, dass Sport zur Sucht werden kann; dass der Grat zwischen Herausforderung und Überlastung oft zu schmal ist, als dass man ihn langfristig ausbalancieren kann. Ich dachte an Verletzungen und Wehwehchen, das schlechte Gewissen, nicht genug zu machen oder ein Training ausfallen zu lassen. Die Angst davor, den eigenen Fitnesslevel nur mit sehr großer Mühe aufrechterhalten zu können, und wie sehr mein eigenes Attraktivitäts- und Wohlgefühl früher vom Sport abhing (ok, ich bekenne - diesen Link gibt es in einem gewissen Ausmaß immer noch).

Und so erwiderte ich: "Ja, im Grunde schon....oder nein, eigentlich möchte ich zeigen: Dass man auch ohne Sport fit sein kann UND den Sport einfach aus reiner Freude an ihm machen kann - wenn man will."

Bingo.

Das war natürlich noch kein Businessplan oder fertige Unternehmensstrategie - aber es brachte mich wieder mit einem Aspekt in Verbindung, der so zentral ist für das, was ich seit einger Zeit selbst erfahren habe.

Ich will es mal mit einer einfachen Frage illustrieren:

Warum gehen wir eigentlich ins Fitnessstudio? Wofür genau trainieren wir dort?

...schnell mal fit werden?

...schnell mal fit werden?

Man könnte meinen: Um fit zu werden (und zu bleiben).

Ok. Dann frage ich weiter:

Wovon ist man denn nicht fit genug? Und fit genug für was genau?

Was ich damit sagen will: Wenn unser Körper in etwas gut ist und immer sein wird - dann ist es seine Fähigkeit, sich in erstaunlich präziser Weise an seine Lebensumstände anzupassen - und zwar so effizient, d.h. energie-konservierend wie möglich. Das heißt: Wenn man "nicht fit" ist - dann ist das genau der Fitnesslevel, der für den eigenen Alltag ausreicht. "Nicht fit" zu sein ist also kein Versagen des Körpers - es ist das Ergebnis einer ausgefeilten Anpassung an ein Leben, das im Wesentlichen von sitzenden, stehenden, liegenden, vielleicht noch kurzzeitig gehenden Aktivitäten geprägt ist. Mit "im Wesentlichen" meine ich: Der größte Anteil unserer Schlaf- und Wachzeit (von der die paar Stunden im Fitnessstudio oder bei sonstigem Sport der geringste Anteil sind).

Vielleicht wird meine Argumentation jetzt klarer: Die Antwort auf "nicht fit" ist NICHT etwa, für ein paar Stunden pro Woche ins Fitnessstudio zu rennen und (vergeblich) zu versuchen etwas zu kompensieren, was ein Vielfaches dieser Stunden überhaupt erst hervorgebracht hat. Die Antwort ist hingegen: Das eigene Leben, d.h. Inhalte und Gewohnheiten so zu verändern, dass der Alltag an sich einen höheren Fitnesslevel braucht, um ihn überhaupt führen zu können.

Denn DANN kann man endlich: nicht etwa aus zähneknirschendem Pflichtbewusstsein, sondern ganz entspannt, nur weil man Lust darauf hat, aus purer Freude daran, ins Fitnessstudio gehen und es krachen lassen.

Oder vielleicht doch lieber zum Tanzen, oder Fußball, zum Surfen oder in die Berge.