30 - Sich selbst ernst nehmen.

Wenn man heutzutage wissen will, was gesund ist, welche Behandlungen man über sich ergehen lassen soll, und welche Bewegungen trainieren - dann hat man mit Sicherheit keinen Mangel an Informationen, Empfehlungen und Ressourcen.

Man kann für jede Frage, für jedes Symptom, für jedes Trainingsziel eine Antwort finden. Mehr noch - man kann eine unermessliche Anzahl von Antworten finden. Manche untermauert von wissenschaftlicher Evidenz - manche nicht. Andere basierend auf jahrzehntelangen Erfahrungen mit zehntausenden von Anwendern - oder aus anekdotischen Selbsterfahrungsberichten. Dann gibt es offizielle Stellen, die offizielle Empfehlungen in Bezug auf Ernährungsanteile, Bewegungszeit pro Woche und gesundheitsfördernde Gewohnheiten liefern.

Es ist komplett uferlos. Denn zu dieser verfügbaren Fülle kommt noch, dass vieles nicht eindeutig ist. Dass man für jedes Thema ein Für und ein Wider finden kann. Dass vieles noch gar nicht erforscht ist. Dass so viele Erkenntnisse, Ideen, Konzepte und Vorschläge sich schlicht widersprechen.

Am Ende bleibt: Ganz viel Ungewissheit. Unsicherheit. Denn egal wie viel man wissenschaftlich belegen oder widerlegen kann, und egal wie viel Erfahrung hinter bestimmten Empfehlungen und Konzepten steckt: Alles kann immer auch ganz anders sein, im Einzelfall, unter spezifischen Umständen, in Wechselwirkung mit anderem.

Genau diese Ungewissheit lässt uns ärztlichen Rat suchen, das Internet befragen, in Workshops gehen, Bücher und wissenschaftliche Paper lesen, auf Trainings-Gurus hören - alles ein Versuch, in dieser Unsicherheit Halt und Orientierung zu finden.

Aber am Ende gibt es nur eine Konstante, und nur eine Quelle der Sicherheit: Das Gespür für den eigenen Körper. Vage Ahnungen, ein "Felt Sense"; zurückliegende Erfahrungen. Alles, was äußere Referenzen und Ratschläge tun können, ist die eigene Wahrnehmung und darauf basierende Entscheidungen zu füttern - ersetzen können sie sie nie.

Genau deswegen ist es so wichtig, dass wir uns selbst - noch vor allen vermeintlichen Experten - sehr ernst nehmen. Unser Gespür (wieder) aufbauen und pflgegen. Darauf vertrauen, dass wir in der Lage sind, auch sehr wichtige Entscheidungen in Bezug auf unseren Körper, Gesundheit und Behandlungen; sowie auf Fitness und Bewegung selbst zu treffen. Unsere inherentes körperliches Wissen zu honorieren.

Denn da draußen - werden wir die eindeutige Antwort nie finden.