31 - Höre auf Deinen Körper - aber vielleicht ist er das gar nicht?

Was ist gut für mich, und was nicht? Was tut mir gut? Was hält mich gesund? Was macht mich stark?

Glücklicherweise setzt sich zur Beantwortung dieser Frage immer mehr durch, auf den eigenen Körper zu hören. In sich hineinzuhorchen. Innerlich wahrzunehmen. Das Bauchgefühl ernst zu nehmen.

Aber ist das, was ich zu hören meine - wirklich die Stimme meines Körpers?

Woher weiß ich, dass es wirklich mein Bauchgefühl ist, das ich da wahrnehme? Wie kann ich es identifizieren, zwischen all den lauten äußeren (z.B. ärztlichen, oder Literatur-) Empfehlungen, den Erfahrungen meines Aufwachsens, meiner Angst vor Fehlentscheidungen, und meinen inneren Glaubenssätzen und Dogmen?

Das sind keine trivialen Fragen - denn das Körpergefühl wird uns sehr früh ausgetrieben. Schon wenn Eltern uns beim Laufenlernen wohlmeinend festhalten, obwohl wir eigentlich fallen lernen müssten; oder uns partout Handschuhe und eine dicke Jacke anziehen wollen, obwohl wir einfach mal die Kälte spüren wollen. Das geht weiter damit, dass wir mit Schuleintritt ruhig gestellt werden, wenn uns eigentlich nach Dauer-Bewegung ist. Und später, wenn wir einem bestimmten Körperbild genügen sollen. Und nicht zuletzt wenn wir durch ein "Gesundheitssystem" navigieren, in dem uns von Ärzten und Therapeuten sämtliche Selbstkompetenz, insbesondere bei schwerwiegenden Entscheidungen, abgesprochen wird.

Wenn man dann plötzlich wieder auf den eigenen Körper hören und ihn verstehen möchte - ist nicht alles, was man fühlt, unbedingt der eigene Körper.

Das heißt nicht, dass alles für immer verloren ist. Aber man muss sich klar werden, dass das Gespür für den eigenen Körper nach und nach erst wieder aufgebaut werden muss. Dass man vielleicht auch ein zweites Mal hinhören sollte, wenn man meint, dass man "fühlt" - weil es eben auch die internalisierte Stimme der Eltern oder des eindringlichen ärztlichen Rates sein könnte, die man da "hört".

Aber Übung macht auch hier den Meister. Folgende Schritte und Indikatoren haben mir persönlich dabei geholfen, die Gefühls-Spreu vom -Weizen zu trennen:

  • Ein echtes Körpergefühl ist nicht laut. Kein Feuerwerk, kein Heureka. Eher wie ein bescheidenes, entspanntes Wissen, das sich nicht beweisen muss - denn es stimmt sowieso.
  • Ein Bauchgefühl entspricht nicht unbedingt immer dem, wie man es gerne hätte. Häufig brauchen Entscheidungen, die auf ihm beruhen, sogar sehr viel Mut.
  • Ein Zeichen dafür, dass eine Entscheidung aus dem Hören auf den Körper entstanden ist: Man hat sie sich nicht überlegt. Sie war schon da. Sie entsteht eher aus einem Bild als aus Worten. Man kann sie höchstens im Nachgang rationalisieren.
  • Wenn eine Entscheidung, die man trifft, sich erleichternd anfühlt, total Sinn macht und möglicherweise gängigen Empfehlungen und Meinungen folgt - aber einen fast unmerklichen und unerklärlichen schalen Nachgeschmack hinterlässt --> dann war es wahrscheinlich KEINE Bauchentscheidung.
  • Entscheidungen, die auf einem guten Gespür für den eigenen Körper beruhen, machen das Leben meistens einfacher. NIE komplizierter.
  • Wenn man einer Idee folgt, die irgendwie leicht unkomfortabel ist und vielleicht sogar Angst macht - dann ist man normalerweise auf der richtigen Spur. [Hinweis: Im Gegensatz dazu ist "echte" Angst vor einer realen Gefährdung unmissverständlich.]
  • Das Hören auf den eigenen Körper braucht die Gleichzeitigkeit von Fokus auf sich selbst und Offenheit für eine Art inherente Weisheit der gesamten Welt. Und das ist verdammt schwer - denn viel einfacher ist es, sich für bestimmte Möglichkeiten/Ideen/Zugänge zu verschließen (und sie als zu unrealistisch, zu esoterisch, nicht wissenschaftlich, unlogisch, zu langwierig oder zu einfach) abzutun. Das heißt nicht, dass man alles machen und glauben muss - sondern nur, dass man nichts ausschließt, neugierig bleibt, und beobachtet, was einem so entgegenspringt.
  • Eine gute "Testfrage" bei Entscheidungen: Wenn ich mich selbst so WIRKLICH lieben würde - was würde ich dann tun? Meistens ist die Sache dann relativ klar. (Und für alle, die Angst vor Egoismus haben: Ich habe noch nie erlebt, dass eine Entscheidung, die aus echter Selbstliebe kam, nicht auch die Beste für alle anderen Beteiligten war. Auch wenn sich das manchmal erst nach einer Weile zeigt.)

Und wenn man dann doch mal nicht so wirklich sicher ist?

Dann ist es immer noch das Beste, auszuprobieren. Eine Entscheidung zu treffen, auch wenn sie vielleicht nicht optimal war. Denn es ist nicht falsch oder schlimm, eine "falsche" Entscheidung zu treffen. Ich glaube sogar, dass es das manchmal braucht, um das Gefühl für das Richtige zu schulen.

Also immer rein ins Vergnügen!