40 - Die Tiefleistung halten.

40% meiner 100-Tages-Challenge sind mittlerweile vorbei - und schon jetzt habe ich massig Erkenntnisse über alles mögliche gewonnen. Nicht nur übers Schreiben; sondern über das Etablieren neuer Gewohnheiten; über meine inneren Konstrukte, die mich sonst vom Schreiben abhalten; und nicht zuletzt über den Wert von "einfach machen" (statt abwarten, planen und in Feedback-Runden hängenzubleiben).

Eine der größten Herausforderungen an diesem hochfrequenten Schreibrhythmus für mich: Die Tiefe zu halten.

Wenn ich sonst schreibe, reift ein Artikel inerlich möglicherweise über Wochen heran, und dann nochmal Tage vom Shitty First Draft bis zur endgültigen und veröffentlichten Version.

Diese Zeit brauche ich, um das, was mich tief innerlich bewegt in Worte fassen zu können. Für mich sind genau die Texte, die mich in diesen tiefen, vielleicht sogar schwierigen und unerwünschten Aspekten exponieren, die allerbesten. Sie zu schreiben ist für mich absoluter Flow; beim Veröffentlichen wird mir in solchen Fällen richtig mulmig - weil sie so sehr ich sind.

Innerhalb eines Tages funktioniert das für mich nicht. Es fehlt die Zeit des Reifens; und kaum ist ein Text gepostet, ist schon der nächste. So schnell und oft kann ich gar nicht tief werden.

Das ist zumindest meine Überzeugung. Und vielleicht ist genau da meine ganz persönliche, große Lektion dieser 100-Tages-Schreibchallenge.

Denn tief gehen heißt nichts anderes als: sich so zu zeigen wie man halt ist. Ohne Fassade, ohne people-pleasing, ohne aufgesetztem Lächeln. Authentisch.

Und warum sollte man nicht jeden Tag authentisch sein können?

Weil es leicht ist, Authentizität noch ein wenig aufzuschieben, bis die Umstände etwas günstiger sind. Oder nur dann zu zeigen, wenn gerade niemand so genau hinschaut. Oder darauf zu warten, dass einem jemand Erlaubnis dafür gibt.

Am Ende ist das Schreiben nur eine Metapher für alle anderen Dinge, die ich jeden Tag tue. Arbeiten, tanzen, mit anderen Menschen zu tun haben, mit Ressourcen umgehen. Und die Herausforderung ist IMMER, trotz Alltag, Routine, und immer gleichem Takt: Präsent zu bleiben. Sich jedem Tag mit der gleichen HIngabe zuzuwenden. Neues zu entdecken. Sich selbst preiszugeben, egal ob das schön ist oder nicht.

Bin ich froh, dass ich noch 60 Tage Zeit dafür habe.