25 - (Bewegungs-)Lernen heißt schlechter werden

Meistens verbindet man das Lernen von neuen Fertigkeiten damit, dass man nach und nach besser wird. Klar, sonst brauchte man nicht zu lernen. Allgemein akzeptiert ist auch, dass die Lernkurve einer S-Form folgt - langsame Fortschritte ganz zu Beginn, gefolgt von exponentiellen Lernerfolgen, und schließlich das Erreichen eines Plateaus. Und wenn man bis dahin nicht die Perfektion erreicht hat, dann wiederholt sich dieser Zyklus, beliebig oft.

Nur, dass das im Grunde nicht stimmt, wenn man es darauf anlegt, wirklich etwas zu lernen. Die Lernkurve geht bei Weitem nicht immer aufwärts - sei zeigt stattdessen phasenweise weit nach unten. Lernen funktioniert nur dann wirklich, wenn man zwischenzeitlich immer schlechter wird.

Das Folgende Schema ist Tim Ferris' Buch "The 4-Hour Chef" entnommen und beschreibt den Lernfortschritt am Beispiel des Fremdsprachenlernens:

Das normalerweise stark gefürchtete Lernkurven-Tal - der Punkt, an dem viele Lerner aufgeben, aussteigen, sich selbst anzweifeln oder die Schuld auf ihren Lehrer schieben - ist im Grunde nur ein Indikator dafür, dass neurologisch und physiologisch signifikante Veränderungen im Gange sind. Der Prozess ist vergleichbar mit dem Prinzip der Superkompensation - erst durch trainingsbedingte Überlastung der beteiligten Strukturen entsteht ein Stimulus für Aufbau.

Auch wichtig zu wissen: Der Einbruch ist meistens verbunden mit einer Erhöhung des Lerninputs (in Bezug auf Komplexität, Intensität oder Frequenz). Das passiert zum Beispiel, wenn man eine neue Sportart lernt und nach einiger Zeit in eine Trainingsgruppe mit einem höheren Leistungsniveau wechselt. Sehr wahrscheinlich werden dann auf einmal auch die Dinge nicht mehr klappen, die man eigentlich schon konnte. Wenn man eine Sprache lernt, und auf einmal in das entsprechende Land begibt - und auf einmal das Gefühlt hat, einen Sprachknoten im Kopf zu haben.

Man kann diese Erkenntnis auch umdrehen und als Zeichen dafür hernehmen, ob man sich beim Lernen wirklich herausfordert: Wenn man nie solche Einbrüche erfährt, dann heißt das, dass der Lerninput zu wenig stimuliert.

Also nicht verzagen - sondern einfach damit rechnen, dass man erstmal sehr oft schlechter werden muss. Wenn man es dann schafft, möglichst gelassen dranzubleiben - dann kommt man auf einem guten, und höheren, Ende wieder heraus.