73 - Warum tue ich das eigentlich?

Als ich diese 100-Tage-100-Artikel-Challenge eingegangen bin, habe ich durchaus damit gerechnet, dass es auch sehr zähe Schreibtage geben könnte. Dass viele (die meisten?) Artikel womöglich nicht besonders gut werden. Dass ich sehr wenig Resonanz auf die Posts bekommen würde.

Heute ist einer dieser Tage. Meine Themen-Schale wirkt gähnend leer, und auch die Muse will nicht so richtig küssen. Und ich kann nicht anders, als es mir selbst, sehr ernüchtert, ehrlich einzugestehen. Und mich zu fragen:

Warum tue ich das eigentlich? Für wen? Mit welchem Ziel?

Gleichzeitig ist mir klar, dass diese Fragen ziemlich universell sind. Die 100-Tages-Challenge hat nur den akuten Nebeneffekt, dass sie mir diese Fragen jeden Tag unübersehbar vor Augen hält. Aber im Grunde stellen sie sich mir bei allem, was ich tue - bei meiner Arbeit, beim Tanzen, beim Spazierengehen, bei all meinen Inklusionsbemühungen.

Ich muss an Steven Pressfield's "Do The Work" denken (ebenso großartig wie The War of Art und Turning Pro!). Pressfield nennt all das Zähe, Widerständige und Hoffnungslose, das sich einem Herzensprojekt jeglicher Art in den Weg stellt "Resistance" - eine Art natürliche Gegenkraft zu kreativem Schaffen, genauso wie die Schwerkraft eine natürliche Gegenkraft zur Gipfelerklimmung ist. An einer Stelle im Buch stellt er einen "Test" auf, um sich die eigenen Motive für das, was man tut, klarzumachen. Seine Prämisse ist, dass es nur eine Antwort auf die Testfrage gibt:

Why do you want it?
1. For the babes (or dudes)
2. For the money
3. For fame
4. Because I deserve it
5. For power
6. To prove my old man (or ex-spouse, mother, teacher, coach) wrong
7. To serve my vision for how life/mankind ought to be
8. For fun or beauty
9. Because I have no choice

Und? Was würdest Du antworten?

Pressfield sagt, dass nur 8. und 9. einen zum Weitermachen qualifizieren (ja, er hatte ursprünglich von einer richtigen Antwort gesprochen - aber 8. und 9. sind im Grunde ein und dieselbe Antwort).

Ich finde diese Botschaft überlebenswichtig.

Wie oft werden wir dazu verführt, "die Welt zu verbessern" oder einen sinnvollen Beitrag zur Veränderung von xyz zu leisten.

Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, sich sehr unspektakulär auf das Leben einzulassen, auf jeden alltäglichen Tag - und all das zu tun, dessen wir uns nicht verweigern können. Die Dinge zu finden, deren Nichttun einfach keine Option ist.

Das ist nicht immer perfekt, auch nicht von einem Feuerwerk begleitet; es ist, higegen, oft genug auch zäh und holprig. Aber es ist immer klar, warum.

Und vielleicht ist genau das das Befreiende: Die Frage nach dem Warum stellt sich dann gar nicht mehr. Ich schreibe - um des Schreibens willen. Weil ich nicht anders kann. Weil ich es so sehr brauche wie Luft, Nahrung und Liebe (und Schlaf).

Darum.