77 - Den Körper verbessern und nicht nur managen.

Survival is not enough. (Diverse Autoren)

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Erstaunlich, wie viele Maßnahmen unseres Gesundheitssystems (oder auch unserer Bildungseinrichtungen!) damit beschäftigt sind, einen aktuellen körperlichen (oder auch kognitiven, geistigen) Zustand mehr schlecht als recht zu managen - anstatt sich um signifkante Verbesserungen zu bemühen.

Und damit meine ich nicht die augenfälligsten Situationen, in denen diese Haltung ihre Berechtigung hat - wie z.B. Schmerzmanagement bei einer unheilbaren Krankheit.

Sondern in ganz alltäglichen Situationen.

Medikamente, die Symptome eliminieren - während die unterliegende Ursache weiter besteht und die Symptome immer wieder kommen lässt.

Physiotherapeutische Maßnahmen oder OPs, die nur für ein paar Stunden/Tage/Wochen Linderung bringen, weil der Körper sie nicht in das dysfunktionale Muster integrieren kann.

Hilfsmittel, die auf eine aktuelle Dysfunktion zielen - statt körperliche Lernprozesse anzustoßen.

Gesundheitliche Prävention, die sich auf Ergonomie und Übungen beschränkt - statt die gesamte Lebensweise im Blick zu haben.

Das Problem am Managen ist, dass es lediglich das "Überleben" sichert. Aber wenn man ständig nur mit Überleben beschäftigt ist, dann gibt es keine Gelegenheit für Aufblühen, Kreativsein, Genießen, Teilen, Gestalten.

Überleben reicht nicht.

Nur signifikante Heilungs- und Lernprozesse, die den ganzen Menschen, seine gesamte Lebensweise, seine gesamten Körper und seine Beziehungen im Blick haben, ermöglichen das Leben jenseits vom gemanagten Überleben.

Ein Leben, an dem zu jedem Zeitpunkt nichts wirklich ausgeschlossen ist. In dem, warum nicht, alles möglich werden kann. Vielleicht nicht so wie erwartet - aber viel besser als gedacht.

Dafür reicht es nicht, einfach zum Arzt zu gehen, den Verordnugnen zu folgen, auf einem ergonomischen Stuhl zu sitzen und Rückenübungen zu machen. Dafür braucht es ein ganz neues Verständnis für den eigenen Körper, und die Verantwortung, dieses Verständnis ein Leben lang zu erweitern. Dafür braucht es das Vertrauen, dass man seinen Körper selbst am besten kennt. Ohne sich etwas vorzumachen.

Eine große Aufgabe - aber was für ein Leben!