88 - Wer alles mitreden will, wenn man ein Kind mit Behinderungen hat.

Wahrscheinlich machen alle Eltern irgendwann die Erfahrung, ungebetene Ratschläge oder Kommentare zum Kind zu bekommen. Lehrer, Erzieher, Ärzte, oder gar Fremde auf der Straße: Alle meinen, das Kind vor Schlimmerem bewahren zu müssen.

Wenn man ein Kind mit einer Behinderung hat, erweitert sich die Liste derjenigen, die ihren Senf dazu geben wollen. Nach der letzten Inklusionsepsisode rund um meinen Sohn musste ich den Kopf schütteln bei der großen Anzahl von Menschen, die regelmäßig meinen, ungefragt seinen Zustand und seine Entwicklungsschritte steuern oder kommentieren zu müssen:

  • Klassenlehrerinnen
  • Hort-Erzieher
  • Hortleiter
  • Schulleiterin
  • Mitarbeiter des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes
  • Orthopäde
  • Mitarbeiter der Audiopädiatrie-Praxis
  • Schulbegleiterin 1
  • Schulbegleiterin 2
  • Heilpädagogische Fachkraft
  • Mitarbeiterin des Referats für Bildung und Sport (als Träger des Hortes)
  • Der Regierungsbezirk

Warum eigentlich?

Traut man uns Eltern nicht zu, das Leben mit unserem Sohn fürsorglich und verantwortlich gestalten zu können, und uns Hilfe/Ressourcen zu holen, wenn wir sie brauchen? Ist es die Unfähigkeit zur Gelassenheit beim Anblick eines Kindes mit Behinderungen und ein Aktionismus-Drang als Kompensation dafür?

Interessanterweise sind es meistens die Leute, die weder selbst eine Behinderung haben noch engere Angehörige mit einer Behinderung, die am lautesten rufen.

Wie wäre es mit einem stillen, gelassenen Mitgefühl als mutige Alternative zum Miteden?