89 - Langsam Langsamkeit lernen.

Es war Feldenkrais, der sagte, dass man eine Bewegung zunächst langsam ausführen können muss, bevor man sie schnell meistern kann.

Schwer für jemanden wie mich, die, gerade was Bewegung angeht, alles gerne schnell macht und lernt.

Aber in meinem Sohn hatte ich einen exzellenten Therapeuten in Bezug auf geduldige Langsamkeit. Und bei kaum etwas anderem zeigte sich das mehr, als bei unseren gemeinsamen Wanderungen.

Apropos schnell: Normalerweise brauche ich bei solchen leichteren Bergtouren immer nur halb so lange wie auf den Weg-/Streckenmarkierungen angegeben. Es ist noch nicht mal so, dass ich es eilig habe, oder schnell sein will - mein Körper pendelt sich einfach bei einem bestimmten Rhythmus ein, und ich genieße dieses Auspowern gegen die Schwerkraft.

Wenn ich mit meinem Sohn wandere, dann brauchen wir zwei- bis dreimal so lange wie auf den Markierungen angegeben (je nach dem, wie viel er selbst mit seinen Gehstöcken läuft). Als wir mit diesen Wanderungen anfingen und er zunehmend mehr selbst lief, schlug ich ihm immer wieder vor, dass ich ihn eine Weile schieben könnte, damit wir schneller vorankommen können (und ich mich auspowern konnte).

Bis ich es irgendwann ließ. Und seine Selbst-Lauf-Strecken immer länger wurden - heute, mit vier Stunden, ein absoluter Rekord.

Ich ließ mich, stattdessen, auf sein ruhiges, meditatives Tempo ein. Und bin ihm ewig dankbar.

Es ist eine gute Erinnerung daran, nicht immer nur überall hineilen zu müssen. Sich weniger vorzunehmen, und es dafür voll auszukosten. Menschen und ihre Lernprozesse nicht zu beschleunigen, sondern sich auf sie einzulassen.

Ich habe gelernt, langsam zu gehen - und bin superstolz darauf.