94 - Normwerte sind nicht die Lösung.

In Bezug auf Bewegung und insbesondere Beweglichkeit gibt es jede Menge Richtlinien, im Sinne von: Zu welchen Bewegungsumfängen der Körper in der Lage sein sollte. Z.B. wie viel Außenrotation oder Abduktion das Hüftgelenk bei einem gesunden Menschen hergeben sollte, oder zu welcher Extension oder Rotation die Wirbelsäule in ihren verschiedenen Abschnitten in der Lage sein sollte. Alles was drunter, aber auch alles was drüber liegt - gilt als potentiell verletzungsanfällig.

Mag sein, dass solche deutlich größere Beweglichkeit selten ist und uns daher als Freakshow erscheint.

Aber man darf dabei nicht vergessen, worauf unsere angeblichen "Normwerte" beruhen: Nämlich auf Daten einer weitgehend sitzbasierten Bevölkerung. Oder wenn nicht sitzbasiert, dann zumindest innerhalb repetitiver Bewegungsmuster tätig.

Diese Standardwerte sind von daher eher als Richtwert für alles, was pathologisch drunter liegt sinnvoll - aber sagen nichts über das grundsätzliche Beweglichkeitspotential des Körpers aus. Denn mit viel Geduld, hoher Konsistenz und einer sinnvollen Progression kann der Körper auch auf stetigem Wege in ganz neue Mobiliäts-Welten gebracht werden, auch ohne die gefürchtete Verletzungsanfälligkeit. Es muss ja nicht gleich Contorsion sein - sondern einfach die Freude an ganz neuen und sehr persönlichen Normwerten und daran, sich selbst mit neuen Bewegungsfähigkeiten zu überraschen.