98 - Die Top 5 Mythen rund um das Meditieren.

So langsam dämmert es vermutlich jedem: Ein Leben ohne Bewegung ist relativ hoffnungslos. Bewegung hat eine ähnlich essentielle Rolle wie Nahrung, Wasser und Sauerstoff - nur dass ein Mangel an Bewegung eine längerfristigere tödliche Wirkung hat als ein Mangel der drei letztgenannten Elemente.

Gleichzeitig meinen immer noch viele Leute, ohne Meditation auskommen zu können.

In vielen Kreisen ist Meditation irgendwo zwischen Esoterik und Müßigang angesehen - purer Luxus oder lästige Langeweile.

Dabei ist Meditation sogar wissenschaftlich längst über eine Form spiritueller Praxis hinausgewachsen: Die Effekte von regelmäßigem Meditieren auf das neuronale und endokrine System sind relativ eindeutig. Kurzgefasst: Es gibt kaum etwas, das das Nerven- und Hormonsystem so dermaßen runterfahren und ausbalancieren kann (d.h. von sympathischer zu parasympatischer Dominanz) wie regelmäßiges Stillsitzen.

Dass es trotzdem noch längst nicht gängige und unspektakuläre Praxis ist, sondern häufig skeptisch beäugt, liegt vielleicht an ein paar Mythen, die sich rund um das Meditieren ranken. Hier sind die Top 5 - und ihre relativierenden Fakten:

1. Richtiges Meditieren heißt keine Gedanken zu haben.

Stimmt nicht! Ist auch gar nicht nötig. Es gibt viele verschiedene Zugänge zur Meditation - aber den meisten ist gemeinsam, dass man alle Gedanken, die hochkommen, einfach unaufgeregt vorbeiziehen lässt, ohne sich über sie zu ärgern. Meditieren bedeutet in dem Sinne bewusst wahrzunehmen, dass man denkt, und es annzunehmen, egal was da komme.

2. Für richtiges Meditieren muss man perfekt sitzen können und es stundenlang machen, und überhaupt alles perfekt machen.

Auch das trifft nicht zu. Man kann sitzen, oder auch liegen wie man will! Bequem darf es dabei auch sein. Es hilft, wenn es eine Position ist, in der man gut atmen kann - und dafür darf man sich so viele Polster, Kissen, Stühle und Matten hernehmen wie man will. Schon fünf Minuten reichen. Wichtiger ist eher die Regelmäßigkeit als die Dauer. Entscheidend ist, nicht in einen "spirituellen Ehrgeiz" zu verfallen, der einen dazu drängen will, ganz spezifischen Meditationspraktiken zu folgen und sie vor allem immer "richtig" machen zu müssen. Relax - oder nimm einfach wahr, wenn Du es nicht bist.

3. Meditieren ist nur etwas für hochspirituelle Menschen.

Es stimmt schon, dass im Grunde alle Glaubensrichtungen in irgendeiner Form das Stillsitzen praktizieren. Das heißt aber nicht, dass man an irgendetwas glauben muss, um meditieren zu dürfen. Meditation ist eine Hinwendung zu sich selbst, in der Stille, mit großer Bewusstheit. Und das ist völlig ausreichend.

4. Stillsitzen ist schwer zu ertragen.

Da ist zugegebenermaßen etwas dran - es kann, vor allem am Anfang, extrem heraufordernd sein, auf einmal mit sich selbst alleine ganz still zu werden und nichts zu machen. Denn damit konfrontiert man sich auf einmal mit Gedanken, Gefühlen und Bildern, die im Lärm des Alltags komplett ausgeblendet werden können. Aber genau darum geht es - dieser Herausforderung mit zunehmender Gelassenheit und Gleichmut zu begegnen. Oder andersherum gesagt: Was sagt es mir, wenn ich nicht bereit bin, mich vielleicht fünf Minuten pro Tag darauf einzulassen?

5. Für Meditation muss es ganz still im Raum sein.

Auch das hat nichts mit Meditation zu tun. Klar, es ist angenehm, wenn es im Hintergrund nicht gerade superlaut ist und nicht ständig Menschen um einen herum laufen. Aber Meditation hat grundsätzlich mit der inneren Stille zu tun - und einer bewussten Wahrnehmung jeglichen äußeren Lärms, wenn vorhanden. Davon abgesehen: Für ein paar ruhige Minuten pro Tag findet sich mit Sicherheit ein einigermaßen ruhiger und geschützter Ort - und sei es ganz einfach das Klo.

Meditation ist also weniger das physische Tun - als eher eine innere Haltung. Natürlich unterstützt das Tun diese Haltung, aber es ist wichtig, sich nicht auf ganz-bestimmte-und-nur- die Meditationspraktiken zu versteifen, sondern zu akzeptieren, dass die Umwelt jeden Tag ein wenig anders sein wird. Dann kann man nämlich dem Meditieren unheimlich viel abgewinnen - und sei es einfach das Gefühl, sich selbst sehr innige Zeit zu widmen.