99 - Eins nach dem anderen bewegen.

In den letzten Monaten ging es in diesem Blog viel um Bewegung. Um einen neue Lebensweise, in der der Bewegung in den Alltag integriert ist. Darum, Bewegung viel weiter zu verstehen als innerhalb sport-spezifischer Trainingseinheiten.

Gleichzeitig auch darum, dass es keine Fähigkeits- und Altersbedingten Limits gibt. Mit dem richtigen Vorgehen und der nötigen Zeit kann man sich wahrscheinlich so ziemlich alles erarbeiten. Und wie bereichernd es ist, wenn man sich in seinen Bewegungserforschungen von nichts abhalten lässt.

Und wie in allem Guten und Wunderbaren gibt es auch hier ein kleines Risiko.

Die Gefahr des Zuviel. Overwhelm. Überforderung.

Denn wenn man erst einmal erkennt, dass im Grunde alles möglich ist, und was es alles gibt - dann ist es leicht, es alles zu wollen. Am besten innerhalb eines Jahres. Mit ausgeklügelter Organisation und Trainingsplanung versucht man geschickt, an vielen Dingen gleichzeitig zu feilen.

Für mich war 2015 so ein Jahr, das mir sehr den Kopf geöffnet hat in Bezug auf Bewegung. Es war ein wundervolles Jahr, in dem ich Dinge erreicht habe, auf die ich früher überhaupt nicht einmal gekommen wäre - z.B. im Tanz, aber auch in Bezug auf die Beweglichkeit und Bewegungsfertigkeiten meines Körpers. Mit großem Interesse tauchte ich in Workshops, Facebook-Gruppen, Blogs und meine eigenen Trainingserfahrungen ein und entwickelte ein völlig neues Verständnis dafür, wozu mein Körper in der Lage ist und in der Zukunft sein kann. Hiphop, Ballett, gymnastische Elemente, Rehabilitation chronischer Schulterthemen, feilen an fundamentalen Bewegungsmustern - es gab so viel zu tun. Und mir passte es gar nicht, wenn etwas davon auf der Strecke blieb.

Bis ich nach und nach realisierte, dass es so nicht ganz funktionieren kann. Denn es gibt einfach zu viel Bewegung, als dass man sie jede Woche komplett einmal durchlaufen könnte.

Und wie sonst im Leben auch, liegt die Lösung in einer Haltung, die ich Sequentielles Priorisieren nennen würde: Für Zeiträume von etwa 2-3 Monaten superklaren Fokus auf ein bis zwei Schwerpunkte legen. Je nach verfügbarem Trainings- und Bewegungsumfang kann man das für mehrere Bereiche machen. Für mich sind diese Bereiche aktuell: Ballett und Oberkörper-Basics. Als nächstes werde ich mein Augenmerk wieder verstärkt auf Hüftmobilität und fundamentale Bewegungsmuster legen. Und danach vielleicht an konkreten Oberkörper-dominierten Bewegungen arbeiten. Und dann irgendwann wieder verstärkt mit Squat-Variationen arbeiten.

Für mich ist dieses Fokussieren immer eine Herausforderung - aus ganz klassischen FOMO-Gründen ("Fear of missing out"): Also die Angst, dass das, worauf ich mich gerade nicht fokussiere, mir verloren gehen könnte. Ja - man kann sich schon ziemlich Stress machen im Leben.

Aber die nächsten zwei Wochen werde ich zunächst einen ganz anderen Schwerpunkt setzen: Pure Regeneration. Meine neuen Spitzenschuhe ein wenig "einlaufen". Ganz viele heiße Bäder nehmen, und möglichst viel Sonne tanken.

Mein Bewegungsmotto für 2016? Mut zur Lücke.