100/100! - Fazit: 100-Blogposts-in-100-Tagen-Challenge

Mitte September zog ich aus, 100 Artikel für diesen Blog zu schreiben. Aber nicht innerhalb von zwei bis drei Jahren - was in etwa meiner gewöhnlichen Schreibfrequenz entsprechen würde - sondern innerhalb von gut drei Monaten. 100 Tage lang, jeden Tag einen Artikel.

Spoiler Alert: Es wurde kein heroischer Kampf, in dem ich tagtäglich irgendeinen inneren Schreib-Schweinehund überwinden und mir mühselig Zeit für das Schreiben freischaufeln musste.

Das Schreiben an sich war nicht die Herausforderung.

Das Herausfordernde war, jeden Tag die Bereitschaft zu finden, etwas von mir und meiner Welt preiszugeben. Etwas herzugeben, das des Hergebens wert war. Es zu tun, ohne - wie sonst - es über eine gewisse Zeit reifen zu lassen und dann daran zu feilen.

Es war daher eine für mich sehr dichte Schreibphase - und folgende Sachen habe ich aus ihr gelernt:

  1. Das jeden Tag schreiben ist mir fast immer gelungen - nur an etwa zehn Tagen nicht. In diesen Fällen habe ich an dem jeweils folgenden Tag zwei Artikel geschrieben. An den meisten Artikeln saß ich eine halbe bis maximal eine Stunde - nur an wenigen deutlich mehr. An etwa zwei bis dreien habe ich mehrere Tage geschrieben, d.h. parallel zu den, die ich an diesen Tagen veröffentlicht habe.
  2. Das Freimachen der Zeit war kein Problem. Ich hatte keinen festen Rhythmus für die Artikel - selten gleich als erstes am Morgen oder am Abend; meistens am Nachmittag. Da ich bei den Themen meist aus dem Tagesverlauf geschöpft habe, war das - zusammen mit meinen meist am Nachmittag optimalen Energieleveln - ein guter Zeitpunkt.
  3. Für die Themen habe ich zum Teil eine Liste geführt (sobald mir ein Thema in den Kopf kam, aufgeschrieben) und "abgearbeitet"; meistens jedoch habe ich mir meine Themen spontan gesucht.
  4. Meistens war ich nicht besonders zufrieden mit der Qualität und Tiefe meiner Artikel. Das meiste war mir zu oberflächlich - dadurch, dass ich keine wirkliche Zeit zum "Ausbrüten" und Nacharbeiten hatte. ABER: Trotzdem hatte dieses häufige, öffentliche Schreiben eine sehr reinigende Wirkung. Nicht so sehr kathartisch-spektakulär, sondern eher routiniert-ausgleichend. Ich merke so richtig erst im Rückblick, wie wertvoll das war (und ist).
  5. Das Schreiben war eine großartige Übung darin, von Nichts zu Etwas zu kommen. Also schnell und häufig eine leere Leinwand zu füllen. Den ersten Schritt zu machen. Einfach anzufangen.
  6. Der möglicherweise GRÖSSTE BENEFIT: Die Challenge war ein hervorragender Ideenkiller. Damit meine ich: Wie oft habe ich mir schon gedacht, dass ich unbedingt ein ganz bestimmtes Thema mal ausführlicher beackern will/muss/sollte; und war manchmal ganz überwältigt von der Fülle dieser vielversprechenden Themen. Mit der Challenge konnte ich sehr viele dieser Themen innerhalb eines kurzen Zeitraums anreißen - und dabei sehr genau merken, welchen von ihnen nach einem kurzen Artikel die Luft ausging; und welche mich weiter beschäftigten. Sehr erleichternd. Ich glaube es ist kein Zufall, dass sich gerade in den letzten Wochen für mich deutliche Veränderungen auch in Bezug auf meine beruflichen Aktivitäten ergeben haben.
  7. Ich habe die Artikel nicht weiter promotet; Hauptzweck dieser Challenge war einfach zu schreiben was ich wollte; egal ob das für andere Leser interessant sein könnte oder nicht. Die Besucherzahlen (Unique Visitors) lagen bei etwa 350 im September, und stiegen auf etwa 500 im November.
  8. Meine persönliche Erkenntnis: Tägliches Schreiben tut mir gut - tägliches Veröffentlichen ist hingegen nicht so sehr mein Ding. Ich schätze es, Texte auch mal ein paar Tage sitzen zu lassen und ihnen ordentlich Nacharbeit zukommen zu lassen. Andererseits hat das tägliche Veröffentlichen während der Challenge auch das tägliche Schreiben nach sich gezogen und mir sehr dabei geholfen, diese Schreibgewohnheit zu festigen. Die Herausforderung jetzt NACH der Challenge wird also darin bestehen, das tägliche Schreiben beizubehalten - auch ohne den Anker des täglichen Publikmachens.
  9. Die Länge der Challenge hat sich tatsächlich als sehr stimmig erwiesen - überschaubar genug, um nicht aufzugeben; und lang genug, um wirklich etwas über den Inhalt der Challenge, hier das Blogschreiben, zu lernen. Es war definitiv nicht mein wichtigstes Projekt in 2015 - aber ich bin froh, dass ich es angegangen bin.
  10. Die Themen, die mich gefühlt am meisten gepackt haben: 1) Mein Erleben von Inklusion und 2) Beispiele von Bewegung als Teil der Lebensweise und emotionale/soziale Aspekte von Bewegung. Nur am Rande gereizt haben mich dagegen HowTos, also konkrete biomechanische/physiologische Bewegungsanleitungen.

Spannend fand ich, wie zugeneigt mein Sohn dieser Challenge war. Nicht dass er die Artikel mitverfolgt oder gelesen hätte; aber er war immer daran interessiert, bei dem wievielten Artikel ich gerade war und es war selbstverständlich für ihn, dass ich mir die Zeit zum Schreiben nehmen würde, egal was bei uns an dem jeweiligen Tag so anstand. Ich hatte den Eindruck, dass er großes Verständnis für das Committment hatte, das ich mir selbst auferlegt hatte - und durch seine direkte und indirekte Unterstützung war es so, als ob diese Art von freundlicher Verpflichtung gemeinsam lebten.

Ich kann so eine Challenge, egal für was, definitiv empfehlen. Ich glaube, dass irgendeine Form von Veröffentlichung oder Dokumentation (für eine evtl spätere Veröffentlichung) ganz entscheidend für das Dranbleiben ist. Ob aufschreiben, auf Video aufnehmen, ein Foto machen - irgendein tägliches Zeugnis der Mühe, die man sich gemacht hat.

Ideen für weitere Challenges habe ich einige - aber zunächst werde ich mich über den Abschluss dieser freuen. Und ins neue Jahr kommen. Für das ich uns Challengern und Gechallengten nochmals alles Gute wünsche - und vor allem viel Freude bei all dem, was wir tun!