84 - Nicht mehr jung sein, aber so tun als ob.

Everyone will tell you why you can't or shouldn't do something.I could count on my two hands how many people said I...

Posted by The Twisted Angel on Thursday, December 3, 2015

Gestern wurde ich in der mittlerweile ziemlich populären Facebook-Gruppe Movement Culture auf eine 43-jährige Trainerin aufmerksam, die innerhalb von zwei Jahren intensivem Training fast aus dem Nichts enorme Kraft- und Beweglichkeitszuwächse erreicht hat. 

Auch wenn ich aus der Entfernung natürlich nicht beurteilen kann, in welchem Zustand ihr Körper wirklich ist, sind die Ergebnisse trotzdem sehr beeindruckend.

Vor allem aber ist die Arbeit, die dahintersteckt beeindruckend. Und die Haltung, dass es auch in "diesem" Alter noch möglich ist, spektakuläre Trainingserfolge zu erzielen.

Zumindest liest es sich so. Und natürlich ist die Story vom Glauben, der Berge versetzen kann, eine sehr plakative Botschaft.

Ich frage mich aber, ob dieser Glaube nicht überbewertet ist. Und ob sein Fehlen nicht zu schnell Träume zerbrechen lässt, weil man meint, es ginge nur mit ihm.

Ich muss an meine eigenen, im Erwachsenenalter begonnenen sportlichen Aktivitäten denken; und an viele Gespräche, Podcasts, Interviews mit unerwarteten Achievern.

Mein Fazit mag daher sehr anektodisch sein - aber vielleicht ist der Glaube gar nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Vielleicht liegt der Schlüssel eher darin, sich so zu verhalten als ob man an den Erfolg, an kleine Wunder, an Überraschungen glauben würde. Denn auch wenn man jung ist und theoretisch alles noch erreichen kann - muss man hart und klug dafür trainieren. Dann ist es eigentlich egal, ob man glaubt, in einem bestimmten Altern noch körperliche Feasts erreichen zu können - man steckt einfach das Training und die Arbeit hinein, egal was nachher rauskommt. Man tut es, weil es einfach so riesigen Spaß macht. Weil es irgendwann zum Leben gehört, Rhythmus gibt, inneren Frieden hervorruft. Weil man nichts mehr beweisen muss, und der Glaube keine Rolle spielt.

Statt sich also zu fragen, ob man ab einem bestimmten Altern "noch richtig gut" in einer Sportart oder einer beliebigen Fähigkeit werden kann und sich auszubremsen, weil man eigentlich leise Zweifel daran hat - verbringt man die Zeit besser damit, sich so zu verhalten, als ob es klappen könnte, egal ob man dran glaubt oder nicht. Ins nächste Training gehen, Prioritäten setzen, auf genügend Regeneration achten - und vor allem: viel Spaß haben und genießen. Oder was Neues suchen.

Im Nachhinein kann man dann immer noch sagen, dass man von Anfang an daran geglaubt hat.