1 - Back To School Gedanken - ODER: 10 einfache Bewegungs- und Gesundheitserkenntnisse

Für meinen Sohn war heute der erste Schultag nach den Sommerferien - und für mich und Beyond Training beginnt nach einigen sehr spannenden Wochen ebenfalls eine neue Phase.

Nach jetzt knapp einem Jahr seit der Gründung, und damals einer vagen Idee der Themen, Angebote und Lösungen, die ich mit BT bereitsstellen wollte, wird es jetzt konkret: was es eigentlich bedeutet, wenn man Bewegung, Embodiment, Performance und eine gute Lebensweise ganz praktisch in den Alltag integrieren will.

Ich will nichts schönreden: Dieser Entwicklungsprozess war nicht immer rosarot. Meistens anstrengend bis nervenaufreibend. Die zentrale Frage war immer die nach dem Rahmen: Was genau mache ich eigentlich? Personal Training? (Nein! Oder vielleicht ein bisschen?) Personal Coaching? (Ist das nicht nur ein etwas gestelzterer Begriff für die vorherige Kategorie?) Bewegungsarbeit? (Klingt so esoterisch, und können sich viele nichts drunter vorstellen.) 1:1-Arbeit? Gruppenkurse?

So ganz eine Antwort habe ich noch nicht. Ich würde sagen es ist eine Mischung aus Training und Bewegungsschulung. Und der Alltag kommt dadurch rein, dass ich mit meinen (bisher ausschließlich 1:1) Klienten an höchst alltäglichen Bewegungen arbeite: Atmen, gehen, hängen, stützen, sich auf einem Bein zu stabilisieren, sich auf Händen stehend zu stabilisieren.

Das mag (zu?) einfach klingen, und mit Sicherheit hätte ich mir vor einem Jahr noch nicht vorstellen können, an solchen Inhalten zu arbeiten. Aber ich konnte nicht länger runterspielen, dass meine größten Bewegungsdurchbrüche in den letzten Jahren aus dem Auflösen ebensolcher einfacher, festgefahrener Haltungs- und fundamentaler Bewegungsmuster entstanden sind. Dass vermeintlich kleine Dinge eine Riesenwirkung hatten.

So richtig entscheidend waren allerdings die letzten zwei Monate - in denen ich gezielt einige meiner Thesen und Ideen an einer Reihe von Testklienten ausprobieren konnte.

Diese Sitzungen und meiner Beobachtungen und Erfahrungen der letzten Jahre haben mir nachhaltig die Augen geöffnet dafür, welches Potential die meisten Menschen einfach brach liegen lassen, wenn sie durch ihr Leben "gehen". Sich durch den Alltag "bewegen". Versuchen, Leistung zu erzeugen, egal ob im sportlichen oder sonstigen Bereich, und dabei gegen "Reibungspunkte" arbeiten. Dabei kann Vieles so einfach sein. Beispiele gefällig? Hier meine aktuellen 10 wichtigsten Erkenntnisse dazu:

1. Falsche Atemmuster sind eine echte Epidemie. (Zumindest in der Population von berufstätigen, in westlicher Kultur aufgewachsenen 30+-jährigen, mit denen ich am meisten zu tun habe.) Sie können sämtliche sonstigen gesundheitlichen Ambitionen komplett unterminieren. Oder im positiven Fall: Passende Atmungsmuster können viele Symptome von selbst erledigen.

2. Wir brauchen wieder mehr Bewegung/Belastung (im positiven Sinne von Trainingsstimuli) "oben rum". Arme, Hände, Schultern, BWS, HWS, Kopf. Mehr heben, tragen, ziehen, greifen, auf Händen stehen.

3. Konsequentes Treppensteigen kann wahrscheinlich all die restlichen Symptome eliminieren (die das Atmungs-Retraining nicht in den Griff kriegt).

4. Die meisten Menschen kriegen viel zu wenig Sonne ab (weil zu wenig Zeit draußen, und wenn, dann häufig mit Sonnenschutzmittel, die die Wirkung der Sonne zu einem großen Teil blockieren). Irgendwie ist die essentiell wichtige Rolle von Sonneneinstrahlung vor lauter Hautkrebssorgen verloren gegangen - dabei ist die Wirkung auf die Physiologie und Emotionen immens positiv!

5. Es gibt zu viele flache Hintern auf dieser Welt. Heißt: Po-Muskulatur ist zu wenig aktiv, entweder durch viel Sitzen und/oder durch ungünstige Hüft-Bewegungsmuster.

6. Wenn man keine Freude an seinen sportlichen Aktivitäten, Übungen oder Trainingsprogrammen hat, sollte man sie zügigst gegen solche ersetzen, die man gerne macht.

7. Schlaf ist massivst unterschätzt und Schlafmangel ist mindestens genauso eine Epidemie, wie die problematischen Atemmuster. Aber: Es braucht heutzutage Mut, früh schlafen zu gehen. Also: Nur Mut!

8. Die einzigen Ernährungsgewohnheiten, die auf Dauer wirklich funktionieren, sind solche die auf einem untrüglichen Körpergespür basieren. Dieses kann jeder wieder lernen. Meine These ist außerdem, dass Lebensmittel tendenziell der Region entsprechen sollten, in der man sich aufhält - weil diese mit der Wirkung von klimatischen Bedingungen und anderen Umweltfaktoren korrespondieren. Außerdem vereinfacht das das gesamte Ernährungsthema (oder -drama).

9. Barfuß gehen ist auch so eine Gewohnheit, die essentiell für stabile Bewegungsmuster ist. Und einfacher geht es kaum! Wenn man es nicht gewöhnt ist, sollte man langsam aufbauen.

10. Ich glaube nicht mehr daran, dass man einen gesunden und starken Körper mit einer klassischen Vollzeit- und sitzenden Tätigkeit vereinbaren kann. Ich glaube, dass dies nur in neuen Lebensformen und innovativen Arbeitsmodellen geht, innerhalb derer man körperliche, berufliche, familiäre, träumende und ehrgeizige Ambitionen verbinden kann. Die machen auch bei weitem mehr Freude.

Manches davon mag gewagt klingen - oder gar überwältigend. Aber im Grunde ist all das viel einfacher als all die Diäten, Trainingskonzepte, Nahrungsergänzungsmittel und aufwendigen medizinischen oder therapeutischen Interventionen, die das allgemeine Verständnis von Gesundheit und Fitness zur Zeit noch prägen. Ich werde diese Themen in der nächsten Zeit vertiefen und Vorschläge für die praktische Umsetzung machen.

Und bis dahin: Auf ein lehrreiches und begeisterndes Schuljahr - oder auf sonstige neue Lebens- und Berufsphasen!