2 - Warum Hacks nur die Zwischenlösung sind - und gegen einfachste Gewohnheiten auf Dauer den Kürzeren ziehen.

[to hack (into sth.) = hacken, in etwas eindringen]

Hacks sind heutzutage überall. "Life hacks", "body hacks", "Produktivitäts-Hacks" - meist geht es um Methoden, kleinere "Tricks", Interventionen oder Routinen/Rituale, die an den gängigen Vorgehensweisen vorbei schnell zum Problem vordringen. 

Hacks werden gern dafür zelebriert, dass sie gängigen Volksleiden (z.B. körperlichen Symptomen, Dinge vor sich herzuschieben, zu viel Zeit im Internet zu verbringen, Beziehungsproblemen, von Emails überwältigt zu sein, innerer Schweinehund) überraschend gut ein Schnippchen schlagen. Das können bestimmte Morgenrituale sein, Nahrungsergänzungsmittel oder fernöstliche Kräuter, spezifische Trainingsgprogramme oder Übungen, und Regeln für den Umgang mit eingehenden Emails.

Und das, was früher nur Medizinmännern, Top Executives und Tim Ferris-Lesern zugänglich war, ist heutzutage massenhaft, in sämtlichen Nuancen, einfach per Eingabe von ein paar Google-Stichwörtern präsent. Es ist möglich, Hacks für alle möglichen Lebensbereiche zu finden und sich selbst und den Alltag damit ziemlich gut zusammenzuhalten.

Außer, dass es dann ganz leicht wahnsinnig kompliziert werden - und dass das ganze Hack-System auf einmal zusammenfallen kann.

Wenn z.B. ein bekannter, hochbeschäftigter Unternehmer erzählt, dass er körperliche Entzündungsprozesse mit Kryo-Therapie im Griff hat. Oder die eine, ganz bestimmte Kombination aus Aminosäuren die Gewichtsreduktion beschleunigt. Oder Vitamin-D-Präparate bei Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen eingenommen werden. Oder ein neues Produktivitäts-System, dass Email und sonstige ToDos ein für alle Mal in den Griff kriegt.

Hacks haben definitiv ihre Daseinsberechtigung und positive Wirkungen, und gleichzeitig darf man zweierlei nicht vergessen:

  1. Hacks gehen selten an die Ursache des Problems - sondern meistens an die Symptome oder Konsequenzen, die sich aus den Ursachen ergeben.
  2. Die meisten Hacks kompensieren lediglich das Fehlen einfachster und natürlichster Lebensgewohnheiten.

Mit anderen Worten: Die körperlichen Entzündungen entstehen nicht etwa, weil jemand zu selten in die Kältekammer geht - sondern wegen des zu schnellen, zu beschäftigten und zu wenig erholsamen Lebens, das er führt. Ein Vitamin-D-Mangel ist nicht etwa entstanden, weil man zu wenig Tabletten eingenommen hat - sondern meistens die Folge von zu wenig Zeit an der frischen Luft. Man wird nicht übergewichtig, weil man bisher nicht hinter das Geheimnis ausgefuchster Aminosäurenkombination gekommen ist - sondern wahrscheinlich, weil man ungünstig isst und/oder sich im Alltag zu wenig bewegt. Die Überforderung durch zu viele Emails und sonstige Verplichtungen kommt nicht daher, dass man das mit den Emailregeln und der Produktivität einfach nicht raus hat - sondern, weil man sich einfach zu viel zumutet und die eigenen Prioritäten im Leben nicht klar genug hat (oder sich nicht traut, zu ihnen zu stehen).

Gut funktionierende Hacks können ein Segen sein, wenn man mitten im Schlamassel steckt und irgendwie rauskommen will. Aber das Ziel sollte sein, Hacks mittel- und langfristig durch ganz simple Alltagsgewohnheiten zu ersetzen, die nachhaltig dabei unterstützen, ein gutes, gesundes und kraftvolles Leben zu führen.

Hier sind ein paar dieser Gewohnheiten - (die man vielleicht als "Ur-Hacks" bezeichnen kann?):

1. Wasser trinken. Hilft im Grunde für alles, sogar dabei, abzunehmen.

2. Raus gehen und Sonnenstrahlung genießen.

3. Im Schnitt 8 Stunden schlafen (meinen Recherchen nach gibt es keine großen Abweichungen nach unten - außer man macht einen kurzen Mittagsschlaf, oder folgt polyphasischen Schlafprotokollen; letztere sind allerdings wiederum verdammt nah am Hack). Hilft übrigens auch beim Abnehmen. Verbessert die Produktivität und beschleunigt Reparaturvorgänge.

4. Regelmäßig essen. (Hilft ebenfalls beim Abnehmen - das Auslassen von Mahlzeiten ist ein Übergewichtsrisiko.) Warm essen - das hilft der Verdauung.

5. Bequeme Kleidung tragen, von Kopf bis Fuß. Hilft beim Atmen, verdauuen und bewegen - und macht schöne Füße (natürlich kann man sich für Schrauben entscheiden - aber auch das wäre streng genommen wieder ein Hack).

6. Dinge tun, die man gerne tut - egal ob beruflich, privat, mit der Familie und Freunden. Öfter mal was absagen. Nein sagen zu Dingen, die keine Bedeutung haben.

7. Das Bauchgefühl ernst nehmen, insbesondere, wenn es um den eigenen Körper geht. Aber auch in allen anderen Belangen.

8. Regelmäßig einfach mal in der Stille sitzen.

9. Keine mobile Datenverbindung nutzen, wenn man Zeit mit anderen verbringt, und das Handy nachts ausschalten.

10. Weniger emailen, mehr telefonieren. Das begrenzt automatisch, was möglich ist. (Je nach Umständen kann es auch andersrum sein - also flexibel bleiben. Der Kernpunkt ist: Was verbessert meine Beziehung zu anderen und respektiert gleichzeitig meine Grenzen?)

Fazit: Ein Hoch auf die Hacks, wo sie vorübergehend Linderung verschaffen können. Aber auf die Dauer gewinnt Einfachheit noch jedes Mal.