6 - Die wahrscheinlich einfachste, sofort anwendbare und nachhaltigste Haltungskorrektur überhaupt

Atemmuster-Dysfunktionen sind, wie gesagt, geradezu epidemisch. Dabei können sie ein sehr einfacher Weg sein, signifikante Veränderungen der Körperhaltung zu erwirken - denn es gibt wohl kaum eine Bewegung, die wir im Alltag öfter machen und die wir dazu noch bewusst ansteuern können.

Eine der am häufigsten anzutreffenden Atem-Fehlbewegungen: Eine Atmung, innerhalb derer der Brustkorb nach OBEN - und/oder fast gar nicht - bewegt wird, statt radial zu expandieren.

GUTE Einatmung: Der Brustkorb weitet sich radial in alle Richtungen; das Zwerchfell flacht sich aus seiner kuppelhaften Neutralstellung ab und gibt stabilisierenden Druck in den Bauchraum; die Interkostalmuskeln weiten die Abstände zwischen den Rippen. [Durchgehende Linie: Neutralposition; gestrichelte Linie: Am Umkehrpunkt der Einatmung.]

GUTE Einatmung: Der Brustkorb weitet sich radial in alle Richtungen; das Zwerchfell flacht sich aus seiner kuppelhaften Neutralstellung ab und gibt stabilisierenden Druck in den Bauchraum; die Interkostalmuskeln weiten die Abstände zwischen den Rippen. [Durchgehende Linie: Neutralposition; gestrichelte Linie: Am Umkehrpunkt der Einatmung.]

Nicht so tolle Einatmung: Der Brustkorb wird vorwiegend über die eigentlich nur unterstützenden Muskeln nach oben gezogen (autsch! sagen diese dafür eigentlich nicht gedachten Muskeln irgendwann); Zwerchfell und Interkostalmuskulatur bleiben relativ passiv

Nicht so tolle Einatmung: Der Brustkorb wird vorwiegend über die eigentlich nur unterstützenden Muskeln nach oben gezogen (autsch! sagen diese dafür eigentlich nicht gedachten Muskeln irgendwann); Zwerchfell und Interkostalmuskulatur bleiben relativ passiv

Natürlich kann man dieses Atemmuster nicht von einem Tag auf den anderen habituell von BÖSE auf GUT umstellen. ABER:

  1. Allein der Versuch, das eigene Muster wahrzunehmen kann schon eine merkbare Wirkung haben.
  2. Im nächsten Schritt kann man dann ganz bewusst die Ausdehnung zur Seite, nach vorne und nach hinten zulassen - d.h. ohne dabei die Luft zu sehr reindrücken zu wollen. Unterstützen kann man das dadurch, dass man sich mit den Händen im unteren Teil des Brustkorbs leicht umfasst (dort wo die Ausdehnung am größten ist) und so der Atembewegung die richtige Richtung vorgibt. Alternativ kann man sich an der Stelle auch ein Theraband um den Brustkorb binden um ein besseres sensorisches Feedback zur Brustkorbbewegung zu bekommen.

Allein mit solchen minikleinen bewussten Wahrnehmungen und Explorationen werden die meist chronisch überforderten Unterstützungsmuskeln entlastet, und die chronisch unterforderten Primärmuskeln (Zwerchfell und die kleinen Interkostal-Muskeln zwischen den Rippen) wieder vorsichtig zum Leben erweckt.

Nach und nach wird sich mit Hilfe solchen bewussten Atmens die Struktur des Brustkorbs wieder regenerieren und sich insgesamt positiv auf die Ausrichtung des Brustkorbs und Beckens auswirken.

Wenn das mal nicht die einfachste Haltungskorrektur der Welt ist.