7 - Jeden Tag, für 100 Tage

Die mit Abstand 5 ALLER-ALLER-größten Hürden für ein erfülltes, kreatives und gesundes Leben:

1. Alles erstmal gut vorbereiten müssen

2. Endlos lange Recherchen vor Entscheidungsfindungen

3. Dinge wenn schon nicht perfekt, dann immerhin so richtig richtig gut machen zu wollen

4. Auf den richtigen Zeitpunkt warten

5. Mit allen gut Freund sein zu wollen

Sounds familiar?

Einer meiner Podcast-Gäste vor ein paar Monaten (Nick Crocker, http://www.nickcrocker.com/) beeindruckte mich vor ein paar Monaten mit der Ankündigung, 100 Tage lang jeden Tag einen Blog-Artikel schreiben zu wollen. Einfach so, weil er von anderen 100-Tages-Challenges inspiriert wurde, und weiß, wie gut das Schreiben ihm tut. (Seine Motive und die Artikel finden sich hier.)

Ich weiß genau, warum seine Ankündigung mich ansprach.

Ich weiß, dass ich das Schreiben für meine Gesundheit so sehr brauche wie Bewegung.

Ich weiß, dass der beste Zugang zum Schreiben darin besteht, einfach zu schreiben.

Und doch können manchmal Wochen vergehen, ohne dass ich einen Artikel fertigstelle. Während sich stattdessen Artikelideen und Textfragmente in meinem Kopf rumwälze. Ich weiß, wie sehr ich mich damit beschäftige, dass meine Texte zu wenig fundiert, zu gewagt, zu melancholisch, irrelevant oder viel zu lang und kompliziert sind oder sein könnten.

100 Tage jeden Tag schreiben - das war der genaue Gegenentwurf; die verruchte Schwester des wochenlang recherchierten, mehrfach überarbeiteten und storytelling-optimierten Leitartikels.

100 Tage jeden Tag schreiben - das klang nach gefährlichem Dilettantismus, unausgereiften Shitty First Drafts, und viel zu frühen "Publish"-Mausklicks.

Beängstigend.

Herrlich.

Das klang so, als ob der fiese innere Kritiker gar keine Zeit mehr haben würde, seinen Senf überall hinzuzugeben; keine Zeit mehr dafür darüber nachzudenken, wie mein Schreiben wohl ankommt; das klang nach Fokus, No-Bullshit, einfach machen, voll daneben liegen, wachsen, wenn's gut läuft ein paar Satz-Volltreffer landen; frei von der Leben schreiben, inkrementell meine Stimme finden. Und freundlich dran bleiben - 100 Tage sind nicht 30.

Nick ist jetzt bei Artikel 90/100. (Sympathischerweise unterbrach er seine Challenge für etwa 30 Tage, als sein erstes Kind auf die Welt kam.) Über drei Monate habe ich also damit verbracht, darüber zu sinnieren, ob ich auch mal 100 Tage lang jeden Tag schreiben will. Oder lieber was anderes. Und zu welchem Thema. Und was dabei herauskommen soll....

Eigentlich bin ich noch nicht so weit. Und vielleicht klappt es auch gar nicht. Aber so lange hab ich einfach ein wenig dilettantischen, unrecherchierten, viel zu wenig überarbeiteten und schlecht getimten Spaß.

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In both the art and the business worlds, the difference between the amateurs and the professionals is simple: The professionals know they’re winging it. The amateurs pretend they’re not.

Amanda Palmer, The Art of Asking