8 - You are NOT a machine (sondern eher ein Buch?)

Das konventionelle Verständnis von Körper und Gesundheit, auch in diesen ganzheitlich-komplementär-achtsamen Zeiten, hat immer noch etwas Mechanisches und Kausales.

Auch ich kann dieser Versuchung häufig nicht widerstehen. Weil sie so schön berechenbar ist und in Sicherheit wiegt.

Oft genug meine ich, dass man einfach nur genügend über den Körper lernen und praktisch erfahren muss, um ihn zu verstehen.

Oder dass man sich einfach gut ernähren, vielseitig bewegen und ausreichend erholen muss, um beschwerdefrei und fit zu bleiben.

Wie gut, dass mein Körper mich, wenn nötig, von diesem hohen Ross runterholt - und mir zeigt, dass man nicht alles ausrechnen kann.

So wie jetzt zum Beispiel.

Die letzten Wochen und Monate lief es körperlich ausgezeichnet. Irgendwie passte alles; Essen, Bewegung, Self-Care - alles hatte einen guten Rhythmus und griff ineinander. Ich weiß, dass ich z.B. bei Weitem keine symmetrische Körperstruktur habe und gut für meinen Körper sorgen muss - und das gelingt mir immer besser.

Außer, dass ich, urplötzlich, seit drei Tagen kaum schlafen konnte vor Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich. Das ist generell ein anfälliger Bereich für mich - aber in der Heftigkeit kannte ich das nicht.

Ich verstand die Welt nicht mehr. Irgendwie machte es mich wütend, dass mein Körper mich so im Stich lässt, wenn ich doch alles für ihn tue. Auch Angst war dabei - irgendetwas Fundamentales übersehen oder nicht verstanden zu haben - und dass es ewig auf mich zurückfallen wird.

Aber "alles" und "Fundamentales" sind relativ. Ein Körper ist nie perfekt, egal wie viel wir an ihm feilen.

Also: Back to Basics. Erstmal keine großen Analysen und Ursachenerforschungen; keine biomechanischen Überlast-Berechnungen.

Sondern eins nach dem anderen; erstmal wieder ganz einfache Dinge wahrnehmen; schauen, was akut gut tut (Schlaf in 2 bestimmten Positionen, leichte Bewegung, gut in den Brustkorb atmen, viel Wasser trinken) und was nicht (liegen, dehnen, Schmerzmittel nehmen, Schreibtischarbeit, aufs Handy gucken). Meinen Physiotherapeuten anrufen und ziemlich weinerlich um sehr kurzfristige Hilfe bitten. Schauen, in welchen Lebensbereichen ich mir vielleicht gerade zu viel zumute oder welche Stressoren ich möglicherweise übersehen habe. Erst im letzten Schritt entscheiden, an welchen körperlichen Themen ich in der nächsten Zeit verstärkt arbeiten könnte.

Der Punkt ist: Das Leben im eigenen Körper wird nie eine exakte Wissenschaft werden, auch wenn Medien, Gurus, und Evidenz-Mantras uns das immer wieder suggerieren wollen.

Gott seid dank, kann ich da nur sagen. Zum Glück ist der Körper keine langweilige Maschine, an der man ein paar Knöpfe drückt, um ein bestimmtes Ergebnis zu bekommen. Sondern vielleicht eher wie ein Buch: Also schon mit einer gewissen Struktur, einem bestimmten Genre folgend; aber eben auch mit seiner eigenen Geschichte, und unerwarteten Wendungen. Wir müssen nur anfangen zu lesen - und bereit sein, uns demütig immer wieder überraschen zu lassen, auch wenn wir meinen, den Ausgang bereits in- und auswendig zu kennen.