11 - Integration braucht Isolation (oder wie man auf einen Schlag die Balance verbessern kann).

Alle reden von Ganzheitlichkeit, Integration und Full-Body-Movements. Was super ist, denn Bizeps-Curls sind einfach nicht besonders hübsch anzusehen.

Viel weniger wird jedoch thematisiert, dass funktionell integrierte Körper und komplexe Bewegungs-/Haltungsmuster über fein abgestimmte - ja, genau! - Isolation funktionieren.

Mit Isolation meine ich die Fähigkeit, Gelenke und Körpersegmente isoliert von einander bewegen zu können. Oder, um es eher in Feldenkrais' Worten zu sagen: Überflüssige Co-Aktivierungen zu identifizieren und sie bleiben zu lassen. Also z.B. nicht die Schultern hochziehen, wenn man irgendwas mit den Armen oder Beinen macht.

Ein Beispiel, an dem sich das gut zeigen lässt, und das man sofort selbst überprüfen kann: Die einbeinige Balance, während das Spielbein und die Arme auch gehoben werden, wie z.B, einer Arabesque oder Attitude im Tanz.

Die Herausforderung dabei: Das gesamte Körpergewicht lastet auf dem Fuß, oder gar auf den Zehen (oder gar auf den Zehenspitzen en pointe!). Wenn man das nicht gerade jahrelang gemacht hat, dann ist der erste instinktive Impuls, alles anzuspannen. Gefühlt gibt das Stabilität - faktisch ist es aber sehr kontraproduktiv denn 1.) ist die Atmung blockiert und 2.) wird sich jede minimale Schwankung im Fuß, potenzieren, da die Länge der Körpersegmente über dem Fuß und der Abstand vom Boden zunehmen.

Der Schlüssel ist also, den Körper so zu stabilisieren, dass er diese minimalen Schwankungen abfedern kann - und zwar am einfachsten bereits am tiefsten Punkt der Balance, d.h. dem Fuß bzw Sprunggelenken:

Die Idee ist also: Der Fuß ist stark, aber beweglich. Wir reden übrigens von sehr kleinen, kaum sichtbaren, aber enorm stabilisierenden Effekten. Es ist mehr eine Sache der Wahrnehmung also von echter Bewegung.

Es gibt aber eine Möglichkeit, diesen Effekt übungsweise zu vergrößern, um eine bessere Vorstellung von diesem Prinzip zu bekommen: Indem man sich ein weiteres, bewegliches "Segment" unter den Fuß stellt. Jetzt werden die kompensatorischen Bewegungen des Fußes größer, und man kann gar nicht anders, als den Fuß vom Rest des Körpers zu isolieren, sonst ist es gleich vorbei:

Wichtig bei der Ausführung: Die Plantarflexion (also Streckung des Fußes) muss maximal sein, und das Knie ist auch komplett durchgestreckt. Man kann auch andere Musik anmachen, wenn man will. Barfuß oder auf Socken - mit Schuhen wird diese Dynamik stark verändert. Das Spielbein muss, wie auf dem Video zu sehen, nicht besonders hoch sein; ich finde eine Attitude oder auch ein Passé super, da der Hebel des Spielbeins nicht so groß ist wie bei einem gestreckten Bein.

Auch unabhängig von Tanz o.ä. sind einbeinige Balance-Übungen mit die besten/stablisierendsten/stärkenden Ganzkörperübungen, die es gibt - es lohnt sich also sehr, damit zu spielen; vor allem, da der Aufwand sehr gering ist. Man kann z.B. Schreibtischarbeit regelmäßig mit einzelnen Sekunden und Minuten einer solchen körpersegment-isolierenden Übung unterbrechen - und schon hat man ganz nebenbei was für die Integration getan.

Großen Dank an TOGU für die Überlassung der Brasil Base Plus (http://www.togu.de/Spielbaelle/Brasil-Produkte/Brasil-Base-Plus.html). Ich bin mal wieder sehr angetan. Der Luftdruck lässt sich über die beigelegte Pumpe regulieren, und die Größe ist für solche Einbein-Übungen, vor allem im Relevé, super geeignet.