Warum alleine arbeiten eine ganze Branche ausbremst (Teil 2): Weil Selbständigkeit nicht tragfähig ist.

(Teil 1 dieses Artikels hier.)

In dem Post hatte ich auf den Punkt bringen wollen, dass der hohe Anteil (fast 50%!) von 1- bis 2-Mann-Unternehmen in der Fitnessbranche (Zahlen Stand 2013)...


....einer Unternehmensverteilung gegenübersteht, in der fast zwei Drittel (!!) aller Unternehmen maximal EUR 250.000,- Umsatz generieren.

Den Rückmeldungen zu meinem Post sagen mir, dass diese Gegenüberstellung bzw ihre Implikation in der Short-Form nicht ganz klar geworden sind - daher will ich sie im Folgenden genauer erläutern. (Vielleicht liegt mir Long-Form-Content doch einfach besser.)

Zunächst: Was diese zwei Grafiken nicht bedeuten: Man kann keinesfalls schließen, dass es die 1- bis 2-Mann-Betriebe sind, die im Schnitt bis zu EUR 250.000,- Umsatz machen.

Was sie hingegen bedeuten: Die meisten Unternehmen in der Fitnessbranche machen relativ wenig Umsatz.

  • Umsatz, nicht Gewinn. D.h. in Bezug auf Einkommen, die bei den Unternehmern ankommen, muss man noch einiges runterrechnen.
  • In den 62% bis-zu-250.000EUR-Unternehmen können ALLE möglichen Unternehmen sein - also nicht nur die Ein- bis Zwei-Mann-Unternehmen, sondern theoretisch auch die mit über 10. Oder irgendwas dazwischen.

Kombiniert man beide Verteilungen, so lässt sich zumindest sagen, dass der hohe Anteil von Unternehmen mit geringen Umsätzen in einer von One- und Two-Man-Shows dominierten Unternehmenslandschaft entsteht. Nicht mehr und nicht weniger.

Meine These ist, dass dieser Zusammenhang kausal ist. Dass die gesamte deutsche Sport- und Fitnessbranche nicht besonders viel abwirft, weil sie von im Tagesgeschäft feststeckenden Kleinstunternehmen geprägt ist.

Wenn ich mir diese Branche anschaue, ist der Mangel an Innovation zumindest auffällig. In allen Bereichen: Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle, Investitionen, Umsätze. Freeletics ist im Moment wahrscheinlich das einzige junge deutsche Sport-Produkt, das international Bedeutung hat (das andere, ältere, ist adidas).

Innovationen aber sind notwendig, wenn man langfristig wachsen - und ausreichend Geld verdienen will.

Hier ist der Knackpunkt: Ein- oder Zwei-Mann-Unternehmen haben ziemlich wenig Zeit für Innovationen. Denn das typische Geschäftsmodell dieser Kleinstunternehmen lässt sich meistens reduzieren auf: Zeit gegen Geld. Vielleicht nebenbei ein paar Produkte verkaufen. In so einem Modell ist kein Platz für Unternehmensentwicklung, langfristige Strategien, R&D und gewagte Experimente. Das Tagesgeschäft dominiert, alles andere ist zweitrangig.

Damit einhergehend: Keine Zeit, um über Alternativen nachzudenken. Die meisten, die als Freiberufler oder GbR anfangen, weichen auch nach langer Zeit nicht besonders stark von diesem Pfad ab.

Selbst diejenigen, die nach Jahren harter Arbeit "erfolgreich" eine volle Praxis oder Kundenkartei aufgebaut haben, schaffen es häufig nicht, den Erfolg ihrer Tätigkeit von ihrer Person abzukoppeln. Keine tragfähigen Geschäftsmodelle, kein passives Einkommen. Kein systematischer Aufbau geeigneter Nachfolger oder überhaupt Personalentwicklung. Wirtschaftlich geht es vielen möglicherweise gar nicht so schlecht - aber wahrscheinlich weit unter ihren Möglichkeiten, und dazu überarbeitet oder gar ausgebrannt.

Ich weiß aus eigener 12-jähriger Erfahrung in der Sportbranche und den vielen Erfahrungen anderer, die ich während meiner Geschäftsführer-Zeit in der alternativen Gesundheitsbranche kennenlernen und coachen durfte: dass es einige charakteristische Zusammenhänge gibt, warum aus Heilpraktikern, Physiotherapeuten und Coaches zwar Selbständige oder gar Praxis-/Studioinhaber, aber keine Unternehmer werden. An Einsatz, Disziplin, Expertise und Begeisterung mangelt es definitiv nicht. Wahrscheinlich gibt es kaum eine Branche, in der so viel aus Überzeugung und aus Leidenschaft gearbeitet wird. Alle lieben, was sie tun, bilden sich fort, sind bereit, Opfer zu bringen, wollen helfen und stehen voll hinter ihrem Tun - tun sich aber schwer, ausreichend Geld dafür zu nehmen. Und noch schwerer, viel Geld dafür zu nehmen. Man will nicht den Eindruck erwecken, dass man nur aufs Geld aus sei; man will niemanden abschrecken - in einem Umfeld, das so sehr für das Gute und Integre im Menschen steht. Vielen widerstrebt es, sich mit geschäftlichen Aspekten zu befassen, da sie häufig keinen Hintergrund darin haben und Geschäftstüchtigkeit nicht in ihr Weltbild vom "noblen Heiler"/engagiertem Coach passt. Andere wiederum scheuen die Investitionen in entsprechenden Support und Ressourcen.

Ich glaube, dass dieses geschäftliche "Verstecken" ein Grund dafür ist, warum die Schulmedizin nach wie vor viel sichtbarer ist und professioneller auftritt, obwohl die komplementären Methoden und moderne Trainings- und Bewegungsansätze ihr insbesondere bei chronischen Gesundheitsproblemen weit überlegen sind.

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DAS alles lässt mich nicht mehr los.

Denn in der Konsequenz führt - sofern man langfristig finanziell gut dastehen UND geistig und körperlich gesund bleiben will - kein Weg daran vorbei, sich vom Einkommens-schwankenden, oft selbst-ausbeuterischen und auf jeden Fall sehr hart erkämpften Geschäftsmodell der Selbständigkeit zu einem echten und erfolgreichen Unternehmen zu entwickeln.

Dieses Unternehmen muss nicht groß und spektakulär sein; es muss auch keine Gründerpreise abräumen oder hochlobenden Presseerwähnungen finden. Es ist einfach eine tragfähige, zuverlässige und stabile Basis, die verschiedene Einkommensströme vereint und zunehmend von der Zeit und Person des Gründers/Unternehmers unabhängig wird.

Alles was es zunächst braucht, ist mit einem Schritt Distanz auf die eigene Arbeit zu sehen, und sich anders zu entscheiden: Dafür, sich jede Woche Zeit zu nehmen und am eigenen Unternehmen zu arbeiten; über die eigenen Stärken und Fertigkeiten nachzudenken und wie diese neue Geschäftsbereiche erschließen könnten (ein Buch schreiben, Vorträge halten, Events organisieren, eine Klinik aufbauen); herausfinden, wie viel man eigentlich arbeiten kann und will, ohne auszubrennen; wie man nach und nach Personal einstellt und das eigene Unternehmen wachsen lässt; und wie man aufhört, sich in Bezug auf Geld und Einkommen selbst zu sabotieren. Und sich ein Umfeld zu suchen, dass diese Entwicklung nicht nur willkommen heißt, sondern aktiv unterstützt.

Denn es geht ja nicht nur darum, davon leben zu können. Es geht darum, frei entscheiden zu können, wie man sein eigenes Leben gestalten will. Was in diesem Leben Platz bekommen soll. Was man sich leisten will. Es geht auch darum, für die Zukunft vorsorgen zu können und die ganze Familie gut versorgt zu wissen. Neugierig und lernwillig zu bleiben, und so immer wieder neue Ideen umzusetzen. All den eigenen Talenten Raum zu geben (und nicht nur einem oder zwei). Sich mit Menschen zu umgeben, die bereichernd sind und inspirieren. Das bisherige Verständnis von Fitness und Gesundheit aufzurütteln und mit effektiven und professionell umgesetzten Alternativen die gesamte Branche aufzuwecken.

Dafür gibt es mit Sicherheit verschiedene Wege. Man kann sich auf eigene Faust auf die Suche nach Mitstreitern machen und ein neues Produkt/Service entwickeln; man kann regelmäßig Networking-Events, Masterminds, und Konfererenzen besuchen; man kann sogar die reine Selbständigkeit aufgeben und sich ganz oder zum Teil einen Unternehmen anschließen. Eins haben all diese Optionen gemeinsam: Sich aus der Isolation heraus zu bewegen - hin zu einer engen und auf Verbindlichkeit beruhenden Community stärkender Gleichgesinnter.

Mit EPICenter Co-Working-Zentrum in München wage ich einen für diese Branche eher neuen Weg: Die Flexibilität und Unabhängigkeit der Selbständigkeit konsistent und verbindlich mit der Selbständigkeit anderer zu verknüpfen. Täglich. In gemeinsam genutzten Räumen. Sport- und Gesundheits-spezifisch. Mit professioneller Infrastruktur. Gut erreichbar. Modern ausgestattet. Unterstützt durch verschiedene Coaching-Angebote, Workshops und Ressourcen, mit denen jeder Mieter seine Selbständigkeit wachsen lassen und in ein nachhaltiges Unternehmen entwickeln kann. Ein Raum, in den jeder seine Klienten gerne einlädt, und konkret an seinen geschäftlichen Strategien arbeiten kann.

Ich lade Dich ein, dort Gleichgesinnte zu finden, die Dir beim Umsetzen Deiner Ideen zur Seite stehen. Ab 2016. Damit es Dir, und damit der ganzen Branche - in Zukunft unausgebremst gut geht.

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